Partizipatorische Kunstpraxis als performative Kritik

Pia Lanzinger

In meinen künstlerischen Arbeiten beschäftige mich mit gesellschaftlichen Phänomenen und deren Auswirkungen auf die sozialen Akteure. Insofern basieren meine häufig ortsspezifischen Projekte oftmals auf Recherchen und Kooperationen mit Leuten vor Ort. Ein wesentlicher Moment ist die Kommunikation mit Personen, die eher nicht als interessant oder repräsentativ angesehen werden. Ich setze mich dabei mit ihrer Rolle in der Gesellschaft, ihren Identitätskonstruktionen, ihren Problemen und Interessen auseinander.

Dabei stellt sich mir immer wieder neu die Frage nach der angemessenen Art und Weise, diese „Partner” und ihre Äußerungen in meine Arbeiten miteinzubeziehen, die im Kunstkontext eine andere Bedeutung annehmen als etwa in einer Reportage oder einer soziologischen Erhebung. Einerseits habe ich den Anspruch politische Kritik zu betreiben, andererseits lehne ich es ab, die Tendenz zur Stellvertreterkultur und zu symbolischen Charity-Events zu bestätigen, die letztlich in Enttäuschung und Passivität auf Seiten der „Regierten” und nur im Einzelfall unterstützen Deklassierten mündet.

In diesem Spannungsfeld sich als Künstlerin zu positionieren, bedeutet zwangsläufig eine prekäre Situation einzugehen, da man auf die Unterstützung von Personen oder Institutionen angewiesen ist, deren Absichten nur selten mit den eigenen Zielen übereinstimmen. Es geht um eine Gratwanderung, die einerseits neue Formen der Darstellung gesellschaftlicher Verhältnisse ermöglicht und andererseits ein bloßes Spektakel ohne weitere Konsequenzen ebenso vermeidet, wie die Selbstbeschränkung auf eine Subkultur von Bohemiens, die unter sich bleiben.

In einem meiner jüngsten Projekte in Mexiko-Stadt „Tres piezas para barrenderos„ gelang es mir, eine (Selbst-)Darstellung einer Gruppe von Straßenkehrern in mehreren Auftritten im öffentlichen Raum zu inszenieren, und dabei nicht nur mit den Barrenderos zusammenzuarbeiten, sondern auch mit der Stadtverwaltung, Musikern und Schauspielern. Politisch stieß ich dabei jedoch bald an Grenzen, da von den Kuratoren die Partizipation der Barrenderos zwar erwünscht war, jedoch nicht als produktive Auseinandersetzung im Sinne eines Konflikts, sondern als gehorsame Verhaltensübung und Erziehung zu Disziplin.

Ausgehend von „Drei Stücke für Straßenkehrer„ und den Erfahrungen, die ich dabei machen konnte, möchte ich in in meinem Vortrag weitere meiner Projekte mit unterschiedlichen Formen von partizipativen Handeln vorstellen, die partizipatives Arbeiten als performative Kritik begreifen.

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Links:
www.pialanzinger.de

Termin:

Montag, 20. Februar 2012 : 19:00 - 20:30